Das Internet in Deutschland - Update
31.05.2009:Als kleine, traurige Ergänzung zu meinem letzten Artikel über den Umgang mit dem Web in Deutschland mag diese kleine Meldung dienen:
Die SPD-Fraktion im Bundestag prüft laut einem Medienbericht die Einrichtung von Störsendern im Reichstag. Damit solle verhindert werden, dass Abgeordnete aus vertraulichen Sitzungen Nachrichten beispielsweise an den Mikroblogging-Dienst Twitter schicken können, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
(heise online 29.5.09: SPD-Fraktion erwägt Störsender gegen Twitterer)
Man mag jetzt sagen, dass dieses Verhalten »typisch deutsch« oder »typisch Politiker« ist, aber es bleibt eigentlich egal und auch nicht wichtig.
Wichtig ist, dass es ein trauriger aber weit verbreiteter Umgang ist:
Statt sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinander zu setzen, statt zu hinterfragen, warum es einen Dienst wie Twitter gibt und warum Menschen ihn benutzen wird ein Verbot aufgestellt. Und weil man interessanterweise der eigenen Fraktion - also sich selbst - nicht vertraut, wird dieses Verbot technisch durchgesetzt. Das ist am bequemsten, denn so muss sich niemand - weder die, die getwittert haben noch die, die es verbieten wollen - mit dem eigenen Verhalten auseinandersetzen.
Das Web ist aber eine Veränderung - eine Veränderung, die auch ein geändertes Verhalten fordert.
Aber niemand kann sein Verhalten ändern, wenn er es nicht vorher reflektiert.
Wie ich schon sagte: Das Leben ist nicht einfach in den Lagern der digital natives ...
Ergänzend empfehle ich auch die Lektür des Artikels »Die unerträgliche Seichtigkeit der deutschen Internet-Debatte« bei netzwertig.com.

